Nach Flut in Herrstein: Große Schäden, verwüstete Straßen; alle Zahlen/ Daten/ Fakten

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Herrstein/ Fischbach. Die Bilder prägen sich ein. Eine Sturzflut überraschte am Sonntag die Bewohner rund um Herrstein und Fischbach, die am schlimmsten betroffen sind. Knapp zwei Meter hoch war die Welle, die sich über die kleinen Ortsgemeinden legte. Autos wurden wie Streichhölzer weggeschwemmt. Mehr als 360 Häuser und Keller liefen voll, darunter Firmen- und Verwaltungsgebäude, die Schule, der Kindergarten und ein Altenheim. Mehr als 50 Autos wurden zerstört und teilweise aufeinander geschoben.
Der Einsatz der Rettungskräfte läuft nun schon viele Stunden. Zeitweise waren über 600 Kräfte von Feuerwehr, THW, Rettungsdienst, Polizei und Bundeswehr im Einsatz.
Der Kreisfeuerwehrinspekteur und Einsatzleiter Eberhardt Fuhr erzählt das innerhalb von nur 12 Minuten die Flutwelle anrollte und alles mitriss, was im Weg war.
„Die Feuerwehr war zu einem Maschinenbrand in einer Firma. Plötzlich kamen über die Leitstelle immer mehr Einsätze über vollgelaufene Keller rein. Teileinheiten fuhren zur Wache und trauten ihren Augen nicht mehr.“, so der KFI.
Die Massen hatten die gesamte Feuerwehrhalle umschlossen. Viel schlimmer, alle Privat- PKW der Einsatzkräfte waren weggeschwemmt und teilweise ineinandergeschoben. „Ein reinstes Trümmerfeld bot sich den Mitgliedern der Feuerwehr“, so Fuhr. Doch es war Eile geboten. Zahlreiche Menschen mussten mit Rettungsbooten aus ihren Häusern gerettet werden. Dennoch wurde kein Mensch verletzt. Wenige Schafe und Kühe wurden vom Wasser mitgerissen und überlebten die Flut nicht.
Einen Tag später ist das Ausmaß zu sehen. Das Wasser ist zurück gegangen. Schlamm und Geröll bleiben übrig. In dem, normalerweise, kleinen Bach werden die Autos herausgezogen. Keller und Häuser leer gepumpt und Straßen gereinigt. Aus Luft macht sich die Einsatzleitung ein Bild der Lage, die verehrend ist. Das Klärwerk wurde voll getroffen. Die Trinkwasserausbereitung ist nicht mehr gewährleistet. Die Menschen müssen sich mit Wasserflaschen eindecken. Straßen wurden abgebrochen und zerstört. Die IGS in Herrstein wurde völlig überflutet. Die Direktorin veranlasste zunächst eine Schließung der Schule bis kommende Woche. Es kann kein Unterricht mehr stattfinden. Im Kindergarten kann im ersten OG nur noch eine kleine Notgruppe geöffnet werden, mehr ist nicht möglich. Die VG- Werke wurden ebenfalls schwer getroffen. Hier flutete das Wasser die gesamten Räume im Untergeschoss. Besonders getroffen ist eine große Firma in Herrstein. Alle Produktionshallen wurden überschwemmt. Alleine hier beträgt der Schaden mehrere Millionen Euro. Die Menschen tragen ihre Habseligkeiten auf die Straße. Wohnzimmer, Küchen, Schlafzimmer- alles landet auf dem Müll. Als erste unbürokratische Soforthilfe wurde die Abholung des Mülls angeordnet. Die Orte Herrstein und Fischbach, aber auch weitere Orte rundherum gleichen einem Trümmerfeld.
Am Abend reiste die Ministerpräsidentin Malu Dreyer aus Berlin an und landete mit dem Hubschrauber neben dem Sportplatz, der ebenfalls komplett mit Schlamm bedeckt wurde. Die machte sich ein Bild von der Lage vor Ort und sprach mit Betroffenen, die gerade ihre Häuser am leer räumen waren.
Im Interview sagt sie: „Ich bin schwer getroffen von der Wucht und dem Ausmaß der Flutwelle. Dennoch danke ich allen Helfern die hier schon großartige Arbeit geleistet haben. Wir werden schauen was wir für die Betroffenen machen können und uns umgehend mit dem Kabinett zusammensetzen.“ Sie dankte auch jetzt schon für die zahlreichen Spenden die einkommen und ruft alle Menschen zur Spende auf, für die Betroffenen. Gemeinsam mit Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) und dem Bürgermsieter der Verbandsgemeinde Herrstein, Uwe Weber (SPD), sowie dem Landrat des Kreises Birkenfeld, Matthias Schneider (CDU) bahm sie sich Zeit und sagte schnelle Hilfe zu.
Die Aufräumarbeiten werden wohl noch Wochen andauern. Bis dahin hoffen alle, dass keine weitere Unwetter über die Region hinweg ziehen. Eines steht jetzt schon fest, die Schäden werden weit über 10.000.000 Euro betragen.

(Blaes)