Großeinsatz für 200 Einsatzkräfte: LKW- Auffahrunfall auf der A64, große Mengen Pestizide laufen aus, zwei Verletzten (44 Bilder)

0
43435

Trierweiler. Zu einem folgenschweren Auffahrunfall kam es am Dienstagabend gegen 20:20 Uhr auf der A 64 von Luxemburg kommend in Richtung Trier, kurz hinter der Sauerbachtalbrücke.

Nach Polizeiangaben befuhren zwei hintereinander fahrende LKW die Autobahn in Richtung Trier, als, vermutlich wegen eines technischen Defekts, die Bremsen des vorausfahrenden Sattelschlepper versagten. Aufgrund der daraufhin erfolgten unvermittelten Vollbremsung des Aufliegers konnte der nachfolgende Fahrer eines Sattelzuges nicht rechtzeitig bremsen oder ausweichen und fuhr auf den Vorausfahrenden auf.

Beide Fahrer, der 52 jährige Gefahrgutfahrer und der 34 jährige Fahrer des anderen LKW,  wurden bei dem Unfall verletzt und kamen nach notärztlicher Versorgung in Trierer Krankenhäuser. Dabei hatte der Unfallbeteiligte LKW- Fahrer großes Glück, den die Fahrerkabine wurde bei dem Aufprall vollständig zerstört.

Die Wucht war derart heftig, das Teile der Ladung des auffahrenden LKW, mit Pestiziden gefüllte Kanister, so stark beschädigt wurden, das diese zu Bruch gingen. Dabei traten, bislang unbekannte Mengen des Gefahrgutes aus und liefen über die Autobahn.

Bedingt durch die Tatsache, das die Fahrerkabine komplett zerstört wurde, hatten die erst eintreffenden Feuerwehren auch nicht mehr die Möglichkeit die Frachtpapiere einzusehen. Umgehend wurde Großalarm für den kompletten Gefahrstoffzug des Landkreises Trier – Saarburg ausgelöst.

Die Autobahn wurde in Fahrtrichtung Trier gesperrt. Der Verkehr staute sich kilometerweit in Richtung Luxemburgischen Grenze. In einem Radius von mehreren Hundert Metern wurde eine Schutzzone Eingerichtet, die nur mit Chemikalienschutzanzügen betreten werden durften.

Dazu wurde eine Art Schleuse auf der Autobahn aufgebaut. Ausgebildete Feuerwehrleute durften den LKW nur in Schutzanzügen betreten. Nachdem ihre Sauerstoffflaschen aufgebraucht sind, werden die in einer Dusche desinfiziert. Die Anzüge schließlich Luftdicht verpackt.

Gegen 21 Uhr waren die Arbeiten am dem Gefahrgut – LKW soweit, das man sagen konnte um welchen Stoff es sich handelt.

Ein Unkrautvernichtungsmittel mit der Kennung UN 3082 Klasse 9 ist auf dem LKW. Es ist umweltgefährdet und stellt somit für die Umwelt eine akute Gefahr dar. Bei Hitze und Verbindung zu Flüssigkeit gibt es chemische Reaktionen. Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung sind nicht zu befürchten. Für Menschen ist das Pestizid nur bei ungeschütztem unmittelbarem Kontakt gefährlich.

Die ausgelaufenen Pestizide wurden großflächig mit Bindemittel abgestreut.

Unterdessen wurde es dunkel und große Strahler wurden an der Unfallstelle aufgebaut. Dabei kam auch das Technische Hilfswerk zum Einsatz.

Mittlerweile wurde auch die Gegenfahrbahn von Trier kommend in Richtung Luxemburg komplett gesperrt. Der Verkehr wurde durch Trier – Igel und Wasserbillig umgeleitet.

Auf Twitter informierte die Polizei Trier die Autofahrer stetig über die aktuellen Entwicklungen. Den mittlerweile stehen die Verkehrsteilnehmer schon mehrere Stunden auf der Autobahn ohne Getränke und Essen.

Doch schließlich entscheidet der Führungsstab des Rettungsdienstes das man die SEG Betreuung und Sanitätsdienst alarmiert, um die festsitzenden Menschen zu versorgen.

Nach und nach wurde die Autobahn mit Hilfe der Polizei von hinten aufgeräumt und die Autofahrer entgegen der Fahrtrichtung nach Luxemburg umgeleitet. Bis auf die LKW Fahrer verlief das reibungslos und ohne Probleme.

Zur Unterstützung der Einsatzleitung wurde gegen 23 Uhr Fernmeldeeinheit des Landkreises Trier – Saarburg mit Einsatzleitwagen und Mehrzweckfahrzeug alarmiert.

Gegen 01 Uhr am Mittwochmorgen rückte schließlich ein Ersatz- Lastwagen mit großen Behältern und ein Hublader an.

Mehrere Chemikalienschutzträger des Gefahrstoffzuges haben unter größter Vorsicht die unversehrte Ladung verladen. Doch vorher wurde der Unfallverursachende LKW geborgen. Bis zum frühen Morgen kamen mehr als 20 Schutzanzugsträger zum Einsatz.

Kurz vor Sonnenaufgang war die größte Gefahr gebannt und der zweite Sattelschlepper konnte geborgen werden. Nach mehr als zehn Stunden war der Einsatz um 6 Uhr beendet und die noch festsitzenden Lastwagen konnten ihre Fahrt fortsetzten.

Die tatsächliche Unfallursache muss nach der Bergung der beteiligten Fahrzeuge ermittelt werden. Es entstand einen Sachschaden von über 100.000 Euro.

Polizei und Feuerwehr danken ausdrücklich allen Verkehrsteilnehmern für die hervorragende Rettungsgasse. Bereits erste Rettungsfahrzeuge konnten problemlos die Unfallstelle erreichen.

Im Einsatz waren mehr als 200 Einsatzkräfte von FEZ, Wehrleitung und Führungsstaffel VG Trier- Land. Der stellv. KFI Trier – Saarburg, die Feuerwehren aus Langsur, Mesenich und Newel. Der komplette Gefahrstoffzug Trier – Saarburg aus Kasel, Bekond, Saarburg, Beurig, Föhren, Freudenburg, Rodt, Longuich und Wincheringen.

Der Regelrettungsdienst der Malteser Welschbillig und der Berufsfeuerwehr Trier, dazu der Air Rescue 3 mit Notarzt.

Die Führungsstaffel des Rettungsdienstes, die SEG der Stadt Trier und des Umlandes mit ihrer Organisatorischen Leiterin. Das Technische Hilfswerk aus Hermeskeil, der LBM und die Straßenmeisterei Luxemburg, ein Bergungsunternehmen sowie die Polizei Trier und die Autobahnpolizei Schweich mit Führung.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie ihr Kommentar ein
Bitte geben Sie Ihren Namen ein