Baustelle B407: Eine Umleitung sorgte für viel Ärger, kaputte Straßen und hoher Blechschaden

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Seit dem 19. März war die B 407 zwischen Kell am See und Reinsfeld wegen Sanierungsarbeiten voll gesperrt. Die Umleitung erfolgte durch die Ortslagen Kell am See und Reinsfeld. Das sorgt für viel Ärger und Unverständnis. Mittlerweile ist sie wieder frei.

Kell am See/ Reinsfeld. Viel Verkehr in der Ortslage Kell am See. Benedikt Stüber will mit seinem Sohn über die Triererstraße und Brückenstraße bis zur Bahnhofstraße zum Bäcker seine Brötchen kaufen. „Es ist Freitagmorgen und man kommt sich vor wie in einer Großstadt“, erzählt Benedikt Stüber. „Seitdem die Baustelle auf der Hunsrückhöhenstraße ist, brettern hier die LKW durch den Ort, das ist nicht mehr schön.“
Und in der Tat, es sind viele, sehr viele Fahrzeuge die an diesem Vormittag durch Kell fahren. Sie alle müssen eine Umleitung von der Bundesstraße 407 durch den Ort, weiter auf der Kreisstraße 75 und der Landstraße 146 durch Reinsfeld und wieder zurück zur Bundesstraße, fahren. Das sind insgesamt 11 Kilometer Umweg mit einem Zeitverlust von 15 Minuten. Jedoch ist jedes vierte Fahrzeug ein Kleinlaster oder Sattelschlepper. Auf der Steigungsstrecke der K75 zum Rösterkopf hoch, kommen durch die langsame Geschwindigkeit noch gute 10 Minuten mehr oben drauf.
Wenn sich im Wald auf der K75 und der L146 zwei 40- Tonner begegnen, geht erst einmal nichts mehr. Beide LKW müssen über den Grünstreifen ausweichen, um aneinander vorbei zu kommen. „Schauen Sie sich die tiefen Gräben an, diese Strecke ist für einen solchen Verkehr garnicht geeignet“, ist sich Rainer Michels aus Reinsfeld sicher. Und in der Tat, bis zu 10 cm tief sind die Gräben links und rechts der Straße. Das führte auch schon zu zahlreichen Unfällen und hohem Sachschaden.
Laut Franz Kuhn, Verkehrssicherheitsberater der Polizei Hermeskeil gab es bis zuletzt auf der Umleitungsstrecke bereits 5 Verkehrsunfälle die polizeilich aufgenommen wurden. Auf der K 75 kam es zu einer Vorfahrtsverletzung in Kell am See, Einmündung Trierer Straße / Römerstraße und zu wenig seitlicher Abstand beim Überholen. Auf der L 146 fuhr ein Auto auf ein langsam vorausfahrendes Fahrzeug auf, einmal war der Abstand zu am Fahrbahnrand geparktem Fahrzeug in Reinsfeld zu eng, es kam zur Kollision und im begegnenden Verkehr kamen sich zwei Fahrzeuge zu nahe. Insgesamt entstand ein Sachschaden von 16.300 Euro an Fahrzeugen.
Birgit Küppers, Pressesprecherin des LBM Rheinland- Pfalz erklärt auf Anfrage das Aufwendungen zur Beseitigung wesentlicher Schäden, die vom Umleitungsverkehr an den Umleitungsstrecken verursacht werden, können gemäß den gesetzlichen Vorgaben übernommen werden. Dazu zählen auch die besagten „Grünstreifen“ (Bankette) entlang der Straßen, die nach Abschluss der Baumaßnahme wiederhergestellt werden, sofern dies erforderlich sein sollte.
Vor den Osterfeiertagen fehlte es an umfangreicher Umleitungsbeschilderung in der Ortslage Kell am See. Das stellte auch Rainer Michels fest, der in Kell arbeitet. Viele Touristen und Osterurlauber haben sich dementsprechend verfahren. „Die Umleitungsbeschilderung wurde vor Beginn der Baumaßnahme entsprechend aufgestellt. Lediglich in der Ortslage Kell wurden nachträglich ergänzende Umleitungsschilder installiert“, so Küppers, LBM.
In der Römerstraße in Kell wurde eine Ampelanlage installiert. An einer Engstelle wären sonst keine zwei PKW mehr aneinander vorbeigekommen, LKW erst recht nicht. Wenn sich zwei Lastwagen in den Ortslagen doch mal begegneten, war ein Ausweichen auf den Bürgersteig unumgänglich. „Man traut sich fast garnicht mehr seine Kinder zum Kurzeinkauf mitzunehmen. Selber muss man aufpassen dass man nicht überfahren wird“ klagt Stüber in Kell am See. In Reinsfeld sieht es auch nicht besser auch. Rainer Michels steht im Kreuzungsbereich Renusstraße/ Dörnerstraße. Verkehrsschilder weisen darauf hin, dass Schulkinder die Fahrbahn queren könnten. Es ist Mittagszeit und die Schule ist aus. Doch ein überqueren ist so schnell nicht möglich. Es braucht seine Zeit, bis die Straße frei ist und die Kinder die Kreuzung gefahrlos passieren können. „Mich ärgert sowas, da hätte man eine andere Regelung finden müssen“, ist sich Michels sicher.
Benedikt Stüber aus Kell und Rainer Michels aus Reinsfeld fragen sich, wie viele andere betroffene Bewohner der beiden Dörfer, warum die Strecke sowieso erneuert werden musste und noch schlimmer warum unter Vollsperrung. Dazu erklärte uns die Presseprecherin des LBM Birgit Küppers „Der Grund für die Erneuerung des Streckenabschnittes ist in der Bewertung der Bundesstraße zu finden. Aufgrund der Zustandserfassung und – Bewertung der Bundesstraßen in Rheinland-Pfalz aus dem Jahr 2015 sind die beiden Streckenabschnitte im Zuge der B 407 als sanierungsbedürftig eingestuft worden. Hierfür waren die Substanzmerkmale der Fahrbahn-Oberfläche, wie Netzrisse bzw. Risshäufungen, aber auch Einzelrisse, Ausbrüche und Flickstellen bewertungsrelevant.“ Weiter sagte sie „Aus Gründen des Arbeitsschutzes sowie in Verbindung mit den vorhandenen Breiten der Bundesstraße in diesem Bereich ist die Durchführung der Maßnahme nur unter Vollsperrung möglich.“ Der Landesforsten Rheinland- Pfalz hat die Sperrung auch für sich genutzt und zahlreiche Bäume entlang der Bundesstraße mit schwerem Gerät gefällt. Darunter waren auch viele vom Sturm beschädigten Bäume.
Der Ortsbürgermeister von Reinsfeld Rainer Spies erzählt das wegen der erheblichen Lärmbelästigung schon zahlreichen Beschwerden kam. „Ich persönlich sehe keine andere Möglichkeiten die Arbeiten, ohne den Verkehr noch großflächiger umzuleiten und ohne damit erheblich größere Umwege zu vermeiden, auszuführen.“, so Spies. „Nach der Umleitungsphase werden die Schäden an Straßen und an Straßenrändern sicherlich begutachtet. Insbesondere die Straßenränder am Rösterkopf wurden und werden durch den Schwerverkehr sehr beansprucht und beschädigt. Die nächste Baustelle ist vorprogrammiert. Vor allem im Ortsbereich sind weitere Schäden an den Straßen und gepflasterten Rinnen aufgetreten.“
Auf Nachfrage sagt die Sprecherin des LBM „Schäden an Bürgersteigen sind uns bis dato nicht bekannt. Sofern solche infolge des Umleitungsverkehrs auftreten sollten, dann würde wie bereits zuvor ausgeführt, verfahren werden können.“
Rainer Spies hofft dass im Anschluss an die jetzigen Sanierungsmaßnahmen die Innerortsstraßen erneuert werden. „Denn die Ortsinnenstraßen sind Landesstraßen und sollen nach des Zusage des LBM ebenfalls 2018 saniert werden.“ so der Ortsbürgermeister Reinsfeld.
Nach Angaben des Landesbetreib für Mobilität liegen die Arbeiten im Zeitrahmen, das Wetter habe gut mitgespielt. In der Kalenderwoche 16 werden die Leitplanken wieder montiert und Endarbeiten, unter einseitiger Sperrung und Ampelregelung, ausgeführt. Die Vollsperrung ist seit Dienstagabend aufgehoben.

 

Seit dem 18. April 2018 wurde mit der Sanierung des zweiten Abschnittes an der Bundesstraße 407 bei Reinsfeld begonnen. Der zweite Abschnitt beginnt am Mitfahrerparkplatz Reinsfeld und endet hinter der Anschlussstelle der Autobahn A1 mit einer Länge von 2,0 km. Dieser Streckenabschnitt wird überwiegend unter halbseitiger Sperrung hergestellt, so dass den Verkehrsteilnehmern lediglich eine Beeinträchtigung durch den Ampelverkehr entsteht.

Der erste Teilabschnitt verläuft vom Mitfahrerparkplatz Reinsfeld über die Einmündung B52/L151 hinweg auf einer Länge von 500 m. Da auch der Einmündungsbereich samt Inselflächen erneuert wird, muss die Auf- und Abfahrt B52 bzw. L151 gesperrt werden. Hier ist eine Umleitung über die L151 und die L148 über Reinsfeld ausgeschildert.
Die folgenden zwei Teilabschnitt werden unter halbseitiger Sperrung mit Lichtzeichenanlage in 500m-Abschnitten fertig gestellt.
Der vierte und letzte Abschnitt ist nochmals mit einer Sperrung verbunden. Zusätzlich zur halbseitigen Sperrung wird die Auffahrt auf die Autobahn A1 in beiden Fahrtrichtungen gesperrt. Eine Umleitung erfolgt von der B407 über die B52 nach Hermeskeil bis zur nächsten Anschlussstelle Hermeskeil auf die Autobahn.
Auch die Abfahrt von der Autobahn aus Richtung Trier kommen wird gesperrt, so dass der Verkehr auf der Autobahn eine Anschlussstelle weiter in Hermeskeil ausfahren muss.
Die Abfahrt von der Autobahn aus Richtung Hermeskeil kommend wird weiterhin aufrechterhalten, der Verkehr wird hier ebenfalls mit einer Ampel geregelt.
Da diese Arbeiten in kleinen Bauabschnitte ausgeführt werden, dauert die Bauzeit dementsprechend länger und ist mit 3 Monaten veranschlagt.
Der Ausbau umfasst in beiden Sanierungsabschnitten jeweils die grundhafte Erneuerung des befestigten Oberbaus/der Asphaltschichten. Die Kosten der Maßnahme gehen zu Lasten des Bundes und belaufen sich insgesamt auf rd. 1,6 Mio. €

Hier einige Bilder der Probleme:

 

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