Aufregung in Oberzerf: Soldaten aus dem 2. Weltkrieg entdeckt und geborgen (Bilder)

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Drei Unbekannte Soldaten werden im vergangenen Januar nach mehr als 67 Jahren gefunden und am Samstag aufwendig geborgen.

Oberzerf. Es ist fast kein Durchkommen am Samstag in der Ortsmitte von Oberzerf (VG Kell am See). Am 9.Januar diesen Jahres wurden zwei Gräber von gefallenen Soldaten unterhalb der katholischen Kirche im Einmündungsbereich Kapellenstraße von einem Hobbysucher, einem Laien gefunden. Der junge Mann aus dem Kreis Trier – Saarburg informierte schließlich die Polizei in Saarburg. Mit einem Metallsuchgerät machen sich immer mehr Menschen auf die Suche nach Vermissten aus dem Weltkrieg, fangen dann selber an zu graben und zerstören oftmals die Grabstellen. Dabei ist der Bevölkerung nicht genau klar, das es gesetzlich verboten ist, erklärt Michael Schwaab von der Direktion Landesarchologie Rheinland – Pfalz. Auch nach so langer Zeit sind es nunmehr tote Menschen, in denen die Kriminalpolizei informiert werden muss.

Im konkreten Fall verlief der Verlauf der Meldung jedoch so, wie es sich alle Organisationen vorstellen. Der Laie informierte die Polizei, diese wiederum den „Verein zur Bergung deutscher Gefallener in Ostdeutschland (VGBO) und den „Verbund Deutsche Kreigsgräberfürsorge e.V.“ und schließlich die „Direktion Landesarchologie Rheinland – Pfalz“. Am Bergungstag sind auch alle Vertreter in Oberzerf mit dabei.

Kriminalhauptkommisar Werner Krewer erklärt im Gespräch das im März 1945 in Oberzerf Notbestattungen durch geführt wurden. Mit Pferdefuhrwerken zogen die Bauern damals los und sammelten die Leichen aus dem Krieg ein. Im gesamten Umfeld fand man tote Soldaten. Viele waren auch mit einem schlichten Holzkreuz markiert.

Vor mehr als 65 Jahren war die Technologie jedoch noch nicht soweit und viele Verstorbene wurden übersehen. Heute gibt es Detektoren, die, wie in Zerf dann die Überreste aufspüren. Mitte 1955 wurden bereits etwa 12 Personen nach Kastel – Staadt umgebetet. Eine genau Anzahl der Vermissten und toten die noch unter der Erde liegen, gibt es nicht. Man geht davon aus, das auch noch weitere im Bereich Oberzerf gefunden werden können.

Zwölf ehrenamtliche Mitarbeiter des Verein zur Bergung deutscher Gefallener in Ostdeutschland (VGBO) sind am Samstag im Hochwald um die sterblichen Überreste frei zu legen und schließlich zu bergen. Ein schützendes Zelt wurde zunächst über der Fundstelle errichtet. Dann beginnen mit Schaufel und Spaten ganz vorsichtig die Grabungen. Je näher man an die toten Soldaten gelang, umso langsamer wurde es. Großes Werkzeug wurde schließlich abgelegt und mit einer kleinen Handschaufel und Spaten wurde Millimeter für Millimeter gegraben. Guido Lewandowski ist einer der Mitgrabenden des Vereins. Ihm war klar das man auf eine gestörte Fundlage stoßen wird, da der Hobbysucher bereits gegraben hatte. Der Boden sei gelockert und der Anatomische Zusammenhang des Menschen sei gestört. Dennoch werden die Soldaten erfolgreich freigelegt. „Zunächst fanden wir den Schäden, dann oberen und unteren Extremitäten vor“, so Lewandoski.

Es dauerte mehrere Stunden vom frühen Morgen bis zum Einbruch der Dunkelheit an, bis die sterblichen Überreste geborgen werden konnten. Zwei Soldaten wurden im Januar bereits entdeckt, bei den Grabungen am Samstag wurde noch ein dritter gefunden.

Die geborgenen Soldaten werden im weiteren Verlauf der Kriminalpolizei übergeben. Dort werden aufwendige Recherchen betrieben um mögliche lebende Angehörige zu finden. Doch zunächst versucht man die Identität der Toten zu klären. „Das ist war Zeitaufwendig und schwer, aber nicht unmöglich“ so der Kriminalhauptkommisar Werner Krewer. Ringe, persönliche Initialen oder die Zähne können Aufschluss verschaffen.

Wenn alle Arbeiten abgeschlossen sind, werden die toten Soldaten vermutlich im Frühjahr 2018 auf dem Ehrenfriedhof in Kastel – Staadt beigesetzt.

Michael Schwaab, Direktion Landesarchologie ist sich sicher: „Viele Leute schöpfen jetzt wieder Hoffnung, das ihre Angehörigen Soldaten gefunden werden könnten.“ Und Bettina Hörtner, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ergänzt: „Hinterbliebene haben jetzt die Möglichkeit würdig Abschied zu nehmen. Den Angehörigen wird eine Last vom Herzen fallen.“

Extra:

Der „Verein zur Bergung deutscher Gefallener in Ostdeutschland (VGBO)“ mit Hauptsitz in Hamburg nimmt ehrenamtlich Bergungen von gefallenen Soldaten in ganz Europa vor. Derzeit hat der Verein eine Stärke von über 200 freiwilligen Männern und Frauen aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich und den Niederlanden.

In der Regel werden sie von der Polizei über Funde von Gräbern informiert. Gemeinsam wird dann eine Bergung vorbereitet und durchgeführt.

Der 2. Vorsitzende ist Hans- Peter Jung aus dem Saarländischen Dillingen/ Saar. Er appelliert an alle Menschen, die Gräber gefunden haben, dies dem Verein mitzuteilen.

Verein zur Bergung Gefallener in Osteuropa e.V. (VBGO)
Geschäftsstelle Hamburg
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22703 Hamburg

Telefon
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